Unbegrenzte Möglichkeiten!? – 10 Thesen rund um Blended Counseling und digitale Beratung vor, während und nach der Krise

Onlineberatung hat sich in den letzten Jahrzehnten insbesondere in Form der schriftbasierten Mailberatung als Unterstützung jenseits von Zeit und Raum etabliert. Diese Entgrenzung hat maßgeblich zum Erfolg dieses Beratungsformates beigetragen. Zugleich standen viele Beratende digitalen Beratungssettings skeptisch gegenüber und vertrauten auf das Bewährte: die Face-to-Face-Beratung. Dies änderte sich abrupt, als die Pandemie persönliche Kontakte vor Ort verunmöglichte und Beratende somit gezwungen waren, auf andere kommunikative Settings auszuweichen, wenn sie ihre Klient*innen weiterhin unterstützen wollten. Dies hatte eine beeindruckende Nutzung von Beratungssettings jenseits von Face-to-Face zur Folge, zugleich wurden zuvor bewährte Standards, wie z.B. die hohe Bedeutung der Vertraulichkeit, auch und gerade in digitalen Settings, teilweise dem Pragmatismus geopfert. Mit Blick nach vorne stellt sich die Frage, wie die Breite digitaler Erfahrungen von Beratenden für die Zeit nach der Krise genutzt werden können. So zeigt sich, dass Blended-Formate zukünftig an Bedeutung gewinnen werden.

Blended Counseling: Vom Szenario zum Handeln

Im Projekt «Face-to-Face und mehr – neue Modelle für Mediennutzung in der Beratung” der Fachhochschule Nordwestschweiz wurden mit der Praxis Blended Counseling-Szenarien für die Suchtberatung entwickelt, erprobt und evaluiert. Entstanden ist daraus ein Modell von Blended Counseling, welches Anforderungen bzw. Gelingensfaktoren in klientenbezogener, beratungsfachlicher und organisationaler Hinsicht beschreibt.
Der Workshop stellt – ausgehend von den erprobten Blended Counseling-Szenarien – dieses Modell vor und rückt Handlungsempfehlungen für die Praxis in den Fokus. Dabei werden zentrale Aspekte für die Planung, Umsetzung und Implementierung von Blended Counseling aufgegriffen und mit den Teilnehmenden in Bezug auf ihre eigene Praxis diskutiert.