Digitale Transformation in der Caritas – was bedeutet das für die Online-Beratung?

„Sozial braucht Digital“, so lautet der Titel der diesjährigen Jahreskampagne der Caritas. „Digitaler Wandel“ und „digitale Transformation“ sind Schlagworte, die momentan überall genutzt werden. Die Caritas bietet schon seit 2006 in 16 Arbeitsfeldern Onlineberatung an. Der Workshop stellt exemplarisch den Prozess der Caritas vor, und lädt dazu ein die Herausforderungen der digitalen Transformation für die Onlineberatung zu diskutieren.

Digitalisierung und Soziale Arbeit

Digitalisierung verändert unsere Arbeitswelt – während viele Berufe durch Automatisierung und KI in Zukunft nicht mehr von Menschen gemacht werden, entstehen neue Berufe – vom Dronenpilot zum Datenanalysten.

Was bedeutet die Veränderung von Arbeitswelten für soziale Berufe, wo der Mensch im Mittelpunkt steht? Oft sehen wir Digitalisierung als Bedrohung und stellen uns eine Zukunft vor in der menschliche Nähe und Fürsorge durch Roboter und Telemedizin ersetzt wird. Dabei liegt es an uns, unsere zukünftigen Arbeitswelten zu gestalten. Dieser Vortrag wird einen Überblick geben, wie sich heute soziale Berufe durch digitale Transformation verändern und einen Ausblick wagen, wie wir uns in Zukunft gute Arbeit in sozialen Sektoren vorstellen können.

Plattformökonomie entdeckt Onlineberatung

Im Zuge der Digitalisierung entwickeln sich im Dienstleistungsbereich zunehmend Plattformen, die sich zwischen Endkunden und Anbieter schieben und Dienste serviceorientiert und nah am Endkunden anbieten bzw. vermitteln: Beispiele wie Amazon oder Ebay (Marktplattformen), Uber (Taxidienste), Airbnb (Übernachtungen) etc.
Was, wenn wir diese Entwicklung auf Beratungsdienstleistungen übertragen: Für die Klient(inn)enn der Traum einer am individuellen Bedarf orientierten, maßgeschneiderten, weil Zuständigkeiten übergreifenden und schnell zugänglichen (Online-)Beratung, für die Beratungsfachkräfte die Ambivalenz eines zeitflexiblen und kleinteiligen Arbeitens (Crowdworking/Gigworking) und für die verbandlich organisierte Beratung der Alptraum von Konkurrenz schlechthin?
Der Workshop stellt Szenarien vor und diskutiert Entwicklungen, wünschenswerte Modelle und Konsequenzen für die Beratungslandschaft heute.

Interventionen als Spiegel der Zeit

Überlegungen zu einer zeitgemäßen Methodik der Onlineberatung

Bereits 2003 legten Birgit Knatz und Bernhard Dodier mit dem Vier-Folien-Konzept ein Konzept zur Beantwortung von Mailanfragen vor, das bis heute eine große Verbreitung gefunden hat. Während in der Onlinetherapie vorwiegend verhaltenstherapeutisch-orientierte Manuale zur Anwendung kommen, versteht sich die Onlineberatung von Beginn an als individualisierte und prozessorientierte Beratung. Dennoch gibt es seit dem Vier-Folien-Konzept mit Ausnahme einiger systemischer und integrativer Überlegungen keine neuen methodischen Entwürfe. In ihren Anwendungsformen und technischen Varianten hat sich Onlineberatung jedoch immer weiter ausdifferenziert. Wir werden in diesem Workshop der Frage nachgehen, wie diese Ausdifferenzierung, aber auch wie sozio-kulturelle Veränderungen zu einer zeitgemäßen Weiterentwicklung einer Onlineberatungsmethodik
führen können.